Quad Tone Rip - SW-Druckertreiber mit Präzision

Was Sie benötigen:
- Das Software-Paket Quadtone-RIP (QTR)
- Einen Auflagenscanner oder einen Spectralphotometer (z.B. EyeOne)
- Einen von Quadtone-RIP unterstützten Drucker

Es wird eine Kurve erstellt für einen Epson Photo R2400 bei Nutzung von Mediastreet G8 Pigment-Tinten und dem Papier Innova Fibaprint White Semimatte, diese Material wird mit der Schwarzvariante "Photo-Black" bedruckt, die Kurve soll einen neutralen Ausdruck ermöglichen.
Anschliessend erzeugen wir aus den gewonnenen Messwerten ein ICC-Profil welches sich zu Proofing-Zwecken einsetzen lässt damit der Ausdruck schon während der Arbeit am Bild in Photoshop zu beurteilen ist.

 
HINWEIS Achten sie bei der Installation des Quadtone-RIP darauf das die Option "Curve Creation Tools" im Setup-Dialog ausgewählt ist, dieser Programmteil wird benötigt zur Erstellung der Kurven!
 

Erfassen der Eigenschaften der Tinten/Papier-Kombination

Öffnen Sie über den Menü-Punkt Tools > Options von Quadtone-RIP den "Calibration Mode", es wird nun ein Kalibrierungsbild geladen. Da mit diesem Schritt die Eigenschaften erfasst werden sollen inwiefern der Drucker vorgegebene Werte ohne jegliche Beeinflussung durch Software- oder Treibereinstellungen wiedergibt sollten die Regler wie in der Abbildung 1 eingestellt sein.

Wählen Sie lediglich unter Media > Type einen Papiertyp aus der dem verwendeten Papier entspricht oder in der Wahl der Oberfläche und Schwarzvariante (MatteBlack oder PhotoBlack) am nächsten kommt, und machen Sie bei Resolution und Speed Angaben über die gewünschte Druckauflösung und ob der Drucker direktional, also nur in einer Richtung, oder bi-direktional drucken soll. Direktional ist von besserer Qualität, dauert aber länger.
Hier verwenden wir den Papiertyp "Premium Luster Photo Paper" da dieses wie auch das verwendete Innova-Papier mit Photo-Black bedruckt werden und ich mit dieser Einstellung auch bei Farbdrucken immer gute Ergebnisse erzielt habe.

Drucken Sie den Kalibrierungschart aus und lassen diesen durchtrocknen, dieser Prozess lässt sich etwas beschleunigen indem man mit einem Haartrockner nachhilft.

 
HINWEIS Öffnen Sie diesen Kalibrierungschart nicht in einem Bildbearbeitungsprogramm, es darf an diesem wie auch an jedem anderen Chart der Profilerstellungszwecken dient "absolut nichts" verändert werden, jede Änderung oder versehentliche Profilzuweisung machen die Ergebnisse unbrauchbar!
 
QTR Shot 1 Bild 1
 
Ist der Chart (Abbildung 2) trocken vergleichen Sie die Tonwertabstufungen des ersten, schwarzen Farbstreifens (hier Photo-Black) und halten sie Ausschau nach dem Feld ab welchem kein tieferer Ton mehr auszumachen ist. Für diesen Vergleich können sie ein Messgerät verwenden, es reicht aber auch eine einfache Lupe oder das blosse Auge da die Werte hier noch nicht so präzise ausfallen müssen.
 
QTR Shot 2 Bild 2
 
Bei unserem Beispiel ist im "Schwarz"-Streifen ab dem Wert "45" keine tiefere Schwärzung mehr auszumachen, diesen Wert notieren wir unter dem Farbfeld.
Jetzt drucken wir wie beim ersten Mal den Kalibrierungschart ein zweites mal aus mit dem einzigen Unterschied das wir den eben festgestellten Wert von "45" in das Feld "Ink Calibration" eintragen oder eben den Regler bewegen bis im Eingabefeld "45" erscheint. Dadurch begrenzen wir den Tintenauftrag bis zu diesem Wert da jeder weitere Auftrag keine tiefere Schwärzung bewirkt wie wir eben festgestellt haben und das nur den Tintenverbrauch unnötigerweise in die Höhe treibt. Auch hier lässt man den Ausdruck wieder gut trocknen. Wir können schon erkennen das sich die Tonwerte geändert haben, im rechten Teil haben sich die Tiefen geöffnet.

QTR Shot 3 Bild 3
 

Dichtebegrenzung der einzelnen Schwarz- und Graustufen-Kanäle

Im folgenden Schritt ermitteln wir die Daten für die Dichtebegrenzung der einzelnen Graustufenkanäle, also ab welcher Dichte setzt die nächste zuständige Farbe ein, wann erfolgt z.B. der Übergang von Photo-Black an Light-Black und von Light-Black an Light-Light-Black. Je nachdem über wie viele Schwarzkanäle Ihr Drucker verfügt umso öfter muß der folgend beschriebene Vorgang wiederholt werden.

Es wird das 100%-Feld der Reihe „Light-Black" vermessen und der Lab-Wert 43,8 ermittelt. Feld 30 in der „Black“-Reihe hat den Messwert 44,4 und das Feld 35 den Messwert 39,2, unser gemessener Wert 43,8 liegt also etwa bei Feld 30,5. Wer mag kann das genauer berechnen, ich selbst habe mir die Formel zu einer linearen Interpolation angesehen und entschieden es weiter auf meine, nicht so perfekte Weise zu berechnen. Ich denke wir werden den Unterschied nachher im Bild nicht sehen können. ;-)

Weiter geht es mit der "Light-Light-Black"-Reihe, bei dem "100%"-Feld messen wir einen Wert von 64,0, diesen vergleichen wir mit den Feldern der übergeordneten Reihe "Light-Black", das Feld 45 hat einen Messwert von 66,1, das Feld 50 einen Messwert von 63,7 wir errechnen hier das dass 100%-Feld von "Light-Light-Black" in der "Light-Black"-Reihe bei Feld 49,0 liegen würde.

 
QTR Shot 4 Bild 4

Im Bezug auf die „Black“-Reihe erhalten wird die Werte LK liegt bei Feld 30,5 und LLK bei Feld 14,9.
Die Formel dazu ist: 49% (LLK) von 30,5% (LK) von 100% (K)

Bei der aktuellen Bestückung des R2400 sind wir mit der Ermittlung der Dichtebegrenzung fertig, würde man mit Tinten arbeiten die weitere Grauabstufungen enthalten würden wir mit der nächsten Reihe fortfahren.

 

Die Kurvenerstellung

Wählen Sie aus dem Menü Tools > Curve Creation und öffnen Sie im anschliessenden Dialogfenster über File > Open eine bestehende Kurve die Ihrem Projekt von Papier und Tinte am nächsten kommt, ich habe hier die Kurve „UCpk-IlfordSmooth-neut.qidf“ gewählt.
Es ist meist einfacher eine schon bestehende Kurve zu modifizieren und unter neuem Namen abzuspeichern als ein Projekt von Grund auf neu zu erstellen. Wählen Sie also diese Kurve aus und anschliessend speichern Sie diese direkt unter einem neuen aussagekräftigen Namen ab um zu vermeiden das die geöffnete Kurve überschrieben wird.
Hier im Beispiel wird die Kurve „ UCpk-IlfordSmooth-neut.qidf" geöffnet und dann unter dem Namen "R2400-K4PK-IN_IFA29-neut.qidf" abgespeichert.

Die Karteikarte "Ink Setup" (Abbildung 5)
Wir haben eine Kurve als Vorlage gewählt die einen neutralen Ausdruck ermöglichen soll, es werden daher folgende Tinten-(Kanäle) benötigt: Black (K), Cyan (C), Light-Cyan (LC), Magenta (M) Light-Magenta (LM), Light-Black (LK) und Light-Light-Black (LLK).

 
QTR Shot 5 Bild 5
 

HINWEIS Zur Erklärung - Das Tonen
Das Photo-Black ist eine Tinte mit einem warmen Ton und nicht wie viele glauben Neutral, genau wie die Varianten Light-Black und Light-Light-Black, diese eben in verdünnter Form. Nur durch die alleinige Nutzung dieser drei Schwarztöne ist kein neutraler Ausdruck möglich, wir würden ein leicht warmtoniges Ergebnis erhalten. Damit ein neutraler Ausdruck möglich wird ist das beimischen von blauer Tinte notwendig, gerade soviel um die "Wärme" zu neutralisieren. Die blaue Färbung entsteht durch beimischen von Anteilen aus Cyan und Magenta, Light-Cyan und Light-Magenta, das ist der Grund für die Einbeziehung dieser Kanäle in unser Kurven-Projekt.

Soll das Ergebnis ein kühler Ausdruck sein würden wir den Anteil der C, M, LC- und LM-Mischungen entsprechend erhöhen, das geht über die Neutralität hinaus und der kühle Ton wird sichtbar.
Bei einem Kurvenprojekt mit dem Ziel eines warmen Druckausgabe deaktivieren wir die C, M, LC und LM-Kurven, je nach Vorlieben belässt man es bei den Warmtönen K, LK, und LLK oder man mischt noch Gelb aus dem Y-Kanal hinzu.

 

Setzen Sie den anfangs ermittelten Tintenlimitwert von 45% in das Feld Ink-Limit ein. Bei den Feldern für die Graustufen müssen jetzt die entsprechenden Dichten eingetragen werden, das sind die Werte Density 100 für Black (unser Photo-Black), den Wert 30,5 ermittelten wir für das Light-Black und 14,9 für das Light-Light-Black.
Zusammengefasst bedeutet dies beim Drucken das ab einem Dichtewert von 30,5% der Tintenauftrag von "Schwarz" von dem Light-Black-Kanal übernommen wird um diesen dann ab einem Dichtewert von 14,9% an den Light-Light-Black-Kanal zu übergeben.

Nun zu den Eingaben in den "Limit"-Feldern der einzelnen Farbkanäle.
Der "Black"-Kanal wird durch die 45% des Feldes "Default Ink Limit" begrenzt, die Limits der anderen Kanäle sollte man aus vergleichbaren, schon vorhandenen Kurven übernehmen, man kann diese natürlich anpassen, verändern und mit den Werten spielen, achten sie nur darauf das die Tinte des betreffenden Kanals nicht das Papier überflutet. In der Regel erhält man mit den übernommenen Werten aber gute Ergebnisse. Die Dichte-Werte für Cyan und Magenta setze ich in Anlehnung an die Dichte von LightBlack erstmal auf 30%.

 
QTR Shot 6 Bild 6
 

Die Karteikarte "Gray Curve"
Mit "Gray Curve" beeinflussen wir das Kontrastverhalten der zu druckenden Datei, die abgebildeten Werte stellen Standardwerte dar und können verändert werden:

"Gamma" steht für Veränderungen in den Mitteltönen, der Standardwert ist "1". Ein Erhöhen des Wertes hellt das Bild auf, eine Veränderung in die entgegengesetzte Richtung dunkelt das Bild ab.

- "HighLight" und "Shadow" funktionieren ähnlich, haben aber den Schwerpunkt in den hohen Tonwerten (HighLight) und in den Tiefen (Shadow), der Standardwert ist bei beiden "6" wobei auch hier gilt das erhöhen aufhellt und absenken abdunkelt.
Wer es präziser möchte kann über das Eingabefeld "Curve" ganz unten im Fenster eine Gradationskurve aus Photoshop laden und in die QTR-Kurve einbetten. Klicken sie auf "Browse" und laden eine zuvor in Photoshop erstellte und gespeicherte ".acv"-Datei, eine Photoshop-Gradationskurve.

Löschen Sie in den Registerkarten Gray Curve, Toner Curve und Toner 2 Curve eventuell vorhandene Curve-Daten aus den Feldern im unteren Teil des Fensters. Auch in der Karteikarte Linearization sind über die Taste Clear alle Linearisierungsdaten zu löschen.

Das war´s bis hierher mit der Kurvenerstellung, jetzt das Projekt speichern und wir können zum ersten Druck mit der neuen Kurve übergehen. Schliessen Sie den Curve Creator.